Sei smarter als der Dieb: Die mobile Herausforderung

Vor kurzem habe ich einen interessanten Artikel von Shane Atchison bei LinkedIn gelesen. Shane erklärt darin, was wir von einem Londoner Dieb des 19. Jahrhunderts lernen können: Das Geschäftsmodell von Fiddler Dick funktionierte bis im August 1844 wunderbar. Der Taschendieb nutze die Ablenkung der Passagiere in Bahnhöfen, um sie zu bestehlen und mit den abfahrbereiten Zügen schnell und unerkannt zu entkommen. Da sich Kommunikation nur so schnell wie die Eisenbahn bewegte, war er immer schneller weg als ihm jemand auf die Schliche kommen konnte. Doch in jenem August 1844 hatte sich etwas verändert: Eine disruptive Innovation zerstörte das lange erfolgreiche Modell. Ein aufmerksamer Polizist konnte das Signalement des Verdächtigen über eine neu installierte Telegrafenleitung an die nächste Station weiterleiten, wo Fiddler Dick verhaftet wurde.

Ihm wurde zum Verhängnis, dass er eine entscheidende Innovation übersah, die sein Geschäftsmodell grundlegend beeinflussen würde.

Und heute habe ich in der Zeitung folgendes gelesen:

Bei der Kantonspolizei Zürich sind während der Street Parade auffällig viele Handy-Diebstähle angezeigt worden. Einer der Geschädigten meldete am Samstagabend, er habe sein gestohlenes Handy auf dem Computer geortet. Hierdurch konnte die Polizei kurz nach 21 Uhr ein Fahrzeug auf der A53 bei Dürnten kontrollieren.  Über 40 Smartphones und Mobiltelefone kamen zum Vorschein, auch das des Geschädigten.

Grossartig: It’s history repeating! Durch eine Innovation in der Kommunikationskultur, die sich in der breiten Masse erfolgreich durchgesetzt hat, erfährt ein bis anhin erfolgreiches Modell eine Disruption.

Was kann man daraus lernen?

Erstens: Innovationen. Funktioniert ein Geschäft über längere Zeit erfolgreich, steigt das Risiko, dass man wichtige Neuerungen übersieht. Neugierde und konstante Innovation hingegen zahlen sich aus: Man muss nicht das Rad jede Woche neu erfinden, aber wissen, was in der eigenen Branche läuft und wo sich am Horizont etwas verändert. Dazu braucht es im Unternehmen auch geeignete Schnittstellen, die aus blossem Monitoring ein aktives Innovationsmanagement machen.

Zweitens: Mobile. Sowohl Dick Fiddler wie auch die Handy-Diebe der Streetparade wurden Opfer der sich verändernden Kommunikationstechnologie. Das Thema Mobilität ist dabei von zentraler Bedeutung und eine Herausforderung, die gerade im Online-Marketing auch 2013 noch nicht abschliessend beantwortet wurde.  Mobile ist nicht nur ein neuer Kanal für bestehende Inhalte, sondern revolutioniert gerade, wie wir das Internet nutzen und Informationen austauschen: Einfachere und günstigere Geräte führen zu mehr Nutzern, während ‘always on’ und GPS/Kamera als  Standardausrüstung neue Nutzungsmuster hervorbringen. Hier liegt noch immer ein grosses Potential und eine Kraft, die erst beginnt sich zu entfalten.

Und drittens: Security. Nur wenn ein Handy gut gesichert ist (PIN!), lassen sich Ortungsdienste nicht deaktivieren. Während die Ortung für iPhones schon lange bequem funktioniert, gilt dies neu auch für Android-Smartphones: Über den Android Device Manager lassen sie sich aus der ferne lokalisieren und notfalls löschen.

Wie sagt man so schön? Aus den Fehlern der anderen lernt der Weise. Guten Start in die Woche!

PS: Klar, das Gegenteil gibt es leider auch. Technisch sehr versierte Kriminelle, die mit hoher Innovationskraft und handwerklichem Geschick (die Maker-Kultur lässt grüssen) neue Geschäftsmodelle wie zB Skimming erfolgreich validieren und der Gesellschaft wie auch der Polizei voraus sind.

Update, 14. August 2013: Passend dazu auch der Artikel von Alex Wilhelm auf TechCrunch und warum Mobile der Tipping Point bzw. die grosse Herausforderung für bereits etwas etabliertere Firmen im Web-Umfeld ist (Yahoo, Yelp, Groupon – gilt aber auch für Google).

Update, 19. August 2013:  Auch die NZZ widmet sich der mobilen Herausforderung. Unter dem Titel «USA Inc.» macht mobil fasst sie die aktuelle Entwicklung zusammen, dass gerade viele IT-Konzerne (Microsoft, Dell, HP – und auch Apple) durch den Aufstieg mobiler Endgeräte in ihren Grundfesten erschüttert werden und dies selber erst zu realisieren beginnen.

Update, 6. September 2013: Das Buch Content Strategy for Mobile von Karen McGrane widmet sich ebenfalls diesem Thema und ist eine Lektüre, die sich lohnt.

Update, 12. September 2013: Auch für Werbetreibende ist das Thema Mobile eine grosse Herausforderung. Responsive ads können eine Antwort sein.

Update, 13. September 2013: Interessanter Post von Antonio Garcia über den Stellenwert der MoPub-Akquisition durch Twitter, die die beiden wichtigsten Trends der Werbebranche adressiert: consumer shift toward mobile usage, and the industry shift to programmatic buying.

3 thoughts on “Sei smarter als der Dieb: Die mobile Herausforderung”

  1. Gute Idee in der Theorie – klappt aber dank eingebauten Akku (zB beim iPhone) meistens nicht. Wenn das Telefon mit PIN geschützt und der Akku gut geladen ist, sollte es lange ortbar sein.

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