Digital Marketing – Swiss Made. Rückblick auf das Lab am #DiFe16

Diese Woche ging die erste Ausgabe des Digital Festivals in Zürich über die Bühne. Webrepublic war als Sponsor mit dabei und in zwei Labs haben wir zusammen mit den Teilnehmern erforscht, was erfolgreiches Digital Marketing in der Schweiz ausmacht und was dazu nötig ist.

Es waren zwei intensive Tage mit spannenden Diskussionen und sehr aktiven Teilnehmern in beiden Labs. Von Startup Gründerinnen bis zu Marketingleitern aus den grössten Schweizer Unternehmen waren alle vertreten – entsprechend durchmischt waren die Erfahrungen und Perspektiven in den Diskussionen.

In den Labs haben sich zwei zentrale Erkenntnisse herauskristallisiert. Einerseits die Wichtigkeit eines funktionierenden lokalen Ökosystems, andererseits einheitliche Erfolgsfaktoren, die die meisten besprochenen Cases gemeinsam hatten.

Als kurzer Rückblick auf die beiden Labs am Digital Festival hier die beiden Aspekte im Überblick:

 

1. Wichtigkeit des Ökosystems

Es ist kein Zufall, dass das Digital Festival 2016 zum ersten Mal stattfindet. Erst über die letzten Jahre bildete sich in der Schweiz ein eigentliches Ökosystem und aus den jeweiligen schon länger bestehenden Digital-Nischen in einzelnen Branchen (Online-Marketing, Online-Medien, eCommerce…) formte sich eine grössere Community. Zu diesem Ökosystem gehört ein wachsendes Angebot von Aus- und Weiterbildung, eine höhere Dichte an Erfahrung und Experten, eine höhere Job-Mobilität unter den Firmen (die wiederum Vernetzung und Wissensaufbau mit sich bringt), sowie natürlich mehr Wettbewerb, was der Branche wichtige Impulse gibt. Damit einher geht der begriffliche Wandel vom medienfokussierten «online» hin zum breiteren «digital».

Ein wachsendes, breites Ökosystem führt also zu mehr Dynamik, Sichtbarkeit und Leistungsfähigkeit.

Konkrete Beispiele:

  • Mehr Wettbewerb wird dazu führen, dass die oft in der Schweiz praktizierten “good enough” Lösungen (zB auch 2016 als Online-Shop ohne Mobile-Site unterwegs zu sein) mittelfristig nicht mehr profitabel sein werden.
  • Stärkere Sichtbarkeit des Digitalen führt zu mehr Knowhow auch auf C-Level Stufe und damit zu stärkerer Unterstützung entsprechender Initiativen. Gerade auch bei Budgets jenseits der noch oft praktizierten “kleinen Piloten”.
  • Steigende Nachfrage nach Talenten und Experten führt dazu, dass Firmen ihren Mitarbeitern entsprechende Freiheiten und Verantwortungen bieten müssen, um sie (und ihre Leistung) im Unternehmen zu halten.

Es braucht ein funktionierendes Ökosystem, um hohe Leistung & Qualität einer Branche zu garantieren.(Tweet this)

2. Erfolgsfaktoren

Beispiele erfolgreicher Digital Marketing Projekte zeichneten sich alle durch einige Gemeinsamkeiten aus:

  • Ausreichende Ressourcen in Form von Zeit und Geld: Erfolgreiches Digital Marketing braucht Fokus, Handlungsfreiheiten und Kompetenz. Es ist ein Vollzeit Job und nicht zusätzlicher Task, der zu bestehender Job-Description hinzugefügt wird. Als minimale Team-Grösse für erfolgreiche Cases haben wir drei Personen identifiziert – nur so ist thematischer Austausch und gegenseitiger Support möglich.
  • Mut zu Entscheidungen: Ausreichende Ressourcen und ein genügend grosses Team sind nur Grundvoraussetzungen, die Erfolge möglich machen. In der Praxis braucht es aber Leute, die vorangehen – visionär denken, den Mut für Entscheidungen haben und auch den langen Atem mitbringen, um bei einem Performance-Knick das Projekt weiterhin auf Kurs zu halten (statt Funding zu entziehen). Um ein «digitales Überschiessen» zu verhindern (also die reine Reduktion des Projekt-Wertes auf kurzfristig erzielte, direkt messbare ‘Performance KPIs’, statt breiteren Kontext zu beachten), empfiehlt sich ein transparenter, proaktiver Umgang mit Informationen zum allgemeinen Projektverlauf.
  • Gemeinsame Sprache: Digital Marketing lebt leider allzu oft in einer eigenen Sprachwelt. Will man als Experte auch ausserhalb des eigenen Teams Anschluss finden (was in der Regel Voraussetzung für Punkt 1 ist: Budget und Zeit), so muss man den Fachjargon überwinden und den Wert der vorgeschlagenen Projekte intern in verständlicher Form kommunizieren. Sprich: Neukunden statt “Micro-Conversions”, Loyalität statt “CLV”, Reichweite ohne Streuverlust statt “Remarketing”.

Apropos Sprache: Die Mehrsprachigkeit der Schweiz ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ergibt sich daraus ein Vorteil für Firmen im globalen Wettbewerb (kulturelles Verständnis, Reichweite in grösseren Märkte, Praxiserfahrung mit Multi-Language-Setups). Andererseits ist Mehrsprachigkeit auch ein Kostenfaktor und hemmt teilweise die Reaktionsgeschwindigkeit im Social Web. Konsequentes Übersetzen aller Content Assets ist gerade für kleine Unternehmen ein grosser Challenge.

Die Zeit von kleinen Piloten, die von Einzelpersonen unter dem Budget-Radar des CFO durchgeführt werden, neigt sich also langsam dem Ende zu. Gefragt sind neu gut durchdachte Projekte, die mit kompetenten Teams in die Gesamtstrategie eines Unternehmens integriert werden und langfristig durch die GL Unterstützung erfahren. Flexible Budgets, ein offener Austausch innerhalb und ausserhalb des Unternehmens sowie eine gute Portion an Risikobereitschaft und Selbstvertrauen zeichnen erfolgreiche Digital Marketing Projekte in der Schweiz aus.

 

Epilog: Das Gute liegt so nah!

In einer Zeit, in der die Verwaltungsräte Schweizer Firmen sich in corpore auf Tech-Safaris ins Silicon Valley begeben, auf der Suche nach dem heiligen Digital Gral, lohnt es sich also definitiv, sich lokal umzusehen und die Erfolge in der Nähe zu feiern. Oder wie es US-Botschafterin Suzan LeVine so schön gesagt hat am Digital Festival:

Zum Abschluss nochmals ein riesiges Dankeschön an die Organisatoren rund um Manuel Nappo und Jonathan Isenring. Die erste Ausgabe des Digital Festival war inspirierend, super organisiert und brachte spannende Leute zusammen. Wir sind bereit für 2017!